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China 2017
3.-14.Januar: Shanghai - Lianyungang - Beijing

Im Herbst 2016 erhielt ich eine Anfrage aus China, ob ich Interesse hätte, chinesische Physiotherapeuten mit funktionellem Reha-Training sowie sensomotorischem Training vertraut zu machen. Der Schwerpunkt der Schulung sollte auf der Handhabung der Reha-Trainingsgeräte Posturomed und Torsiomed liegen, da man in China auf diese Geräte aufmerksam geworden sei und in Erfahrung gebracht habe, dass ich an deren Entwicklung maßgeblich beteiligt war. Natürlich war ich von der Idee sofort begeistert, denn wann bekommt man schon mal als Physiotherapeut ein derartiges Angebot? Schon wenige Wochen nach der Einladung konnte das Projekt realisiert werden und ich reiste in Begleitung meiner Frau nach China in die Hafenstadt Lianyungang, für chinesische Verhältnisse eine Kleinstadt mit “nur” fünf Millionen Einwohnern. Hier hatte ich eine Woche Zeit für die Schulung meiner chinesischen Kolleginnen und Kollegen. Abgerundet wurde die Reise durch ein touristisches Rahmenprogramm, welches uns nach Shanghai, die historische Wasserstadt Zhouzhuang und natürlich auch nach Beijing und auf die Chinesische Mauer geführt hat.

Offensichtlich hat meinen Gastgebern mein Einsatz gut gefallen, denn schon im Sommer bekam ich eine Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte, meine Vorträge auch landesweit zu halten. Allein aus Zeitgründen mußte ich meine zweite Reise nach China allerdings auf zwei Wochen mit sieben Etappen beschränken, denn sonst hätte ich - diesmal in Begleitung meiner Tochter - wohl das ganze Land kennenlernen können!

Hier einige Eindrücke:

Der Anblick der Skyline von Shanghai entschädigt fast für die schlechte Luftqualität!

Die Straßen von Lianyungang waren Anfang Januar bereits
festlich für das bevorstehende Neujahrsfest geschmückt.

Die Physios aus Lianyungang waren eine sehr sympathische Gruppe.
Eine ganze Woche Schulung in funktionellem Reha-Training vergingen
mit diesen Kolleginnen und Kollegen wie im Flug!

Eine neue Erfahrung war es für mich, dass in China der einzige Schwerpunkt
in der Physiotherapie auf der Behandlung neurologischer Erkrankungen
liegt. Die Physios in Lianyungang waren sehr gut mit Therapieverfahren
wie Bobath, Vojta oder PNF vertraut, die in Europa Standard sind.
Ganz im Gegensatz hierzu werden Patienten mit orthopädischen Diagnosen
oder nach chirurgischen Eingriffen kaum physiotherapeutisch behandelt.
So besteht beispielsweise der medizinische Standard bei Kreuzbandverletzungen
in China aus Salbenverbänden, mehrwöchiger Bettruhe und Elektrotherapie!

Der Besuch der Chinesischen Mauer war der krönende Abschluss
meiner ersten Vortragsreise nach China. Da dies der erste Tag der
chinesischen Neujahrsferien war, war die Luft Dank heruntergefahrener
Industrie ausnahmsweise sauber und der Blick auf die Mauer ungetrübt!

2.-16.Juli 2017: Kreuz und quer durch China!

Die historische Wasserstadt Zhouzhuang ist gerade im Sommer absolut sehenswert.
Die Fahrt mit dem Bus von Shanghai nach Zhouzhuang ist allersdings nichts für
schwache Gemüter, weil chinesische Busfahrer einen extrem aggressiven Fahrstil haben!

Wer nach Peking reist, sollte nicht mit sauberer Luft zum Atmen rechnen!

Unter der stinkenden Dunstglocke über der Hauptstadt kamen
die prächtigen Farben der Verbotenen Stadt kaum zur Geltung.

Auch vor der Chinesischen Mauer machte der Smog nicht Halt!

Dafür wurden wir mit allabendlichen Köstlichkeiten entschädigt, wobei Eintopf mit
Entenfüßen und Schlangenköpfen nicht nach jedermanns Geschmack sein dürfte!

Dieses Bild ist leider sehr typisch für die chinesische Gesellschaft.
Kaum einer legt auch nur für eine Sekunde sein Smartphone aus der Hand.
Für alle Belange des täglichen Lebens gibt es irgendeine App!

Eine ganztägige Schulung der Studenten an der Yichang Medical University war
für mich eine besondere Erfahrung, denn anders als man es den Chinesen nachsagt...

...beteiligten sich die Studenten sehr engagiert an der anschließenden
Diskussion und stellten viele Fragen, um noch mehr über
funktionelles und sensomotorisches Training zu lernen.

Für das Posturomed und die AG Sportphysiotherapie
gibt es offensichtlich noch keine chinesischen Schriftzeichen!

Im Jiangbin Hospital in Nanning stellten sich einige Patienten
sehr gern für die Demonstration einzelner Übungen zur Verfügung.
Atong, mein Dolmetscher war mir hierbei eine sehr große Hilfe.

Wegen der großen Teilnehmerzahl ging es am People’s Hospital
in Nanning in der autonomen Provinz Gunagxi etwas enger zu.

Auch hier hatten die Kolleginnen und Kollegen größtes Interesse an der
Vorbehandlung ihrer Patienten, weil es ihnen insbesondere in der Anwendung aktiver
Therapiemöglichkeiten bei orthopädischen Diagnosen an jeglicher Erfahrung fehlte.

Die Universitätsklinik von Nanning präsentierte sich frisch renoviert und verfügte über
eine beeindruckende Ausstattung, die deutsche Klinikchefs neidisch machen würde.
Besonders stolz ist man hier darauf, dass fast alles “Made in Germany” ist!

Obwohl die Klimaanlage bei einer Außentemperatur von über 40°C ausgefallen war,
hatten die sympathischen Physios der Uniklinik von Nanning und ich viel Spass!

Wie schon zuvor in Wuhan versagte auch an der Universitätsklinik
von Tai’an leider die Elektronik meiner Kamera, so dass ich hier
keine brauchbaren Bilder aufnehmen konnte.

Zu jedem Kongress gehört das obligatorische Gruppenfoto aller Dozenten, so auch
auf dem 15th Anual Meeting of Quinghai Association of Rehabilitation Medicine.
Zum Dress Code der Kongressausschreibung hieß es “Anzug und Krawatte” seien Pflicht,
was allerdings von den chinesischen Dozenten angesichts der extrem drückenden
Außentemperaturen in dieser Hochgebirgsstadt etwas lockerer interpretiert wurde!

Zum Glück war der Vortragssaal klimatisiert, so dass man es hier gut aushalten konnte!

Eine besondere Ehre war es für mich, dass man mir auf dem Kongress
in Xinning eine besonders lange Redezeit einräumte, um den chinesischen
Physios und Ärzten über die funktionelle Rehabilitation von Verletzungen
der unteren Extremität in geschlossenen kinetischen Ketten und natürlich auch
über sensomotorisches Training auf Posturomed und Torsiomed zu berichten.
Großes Interesse zeigte man auch an der Arbeit der AG Sportphysiotherapie.
Ich hoffe, dass es mir in Xinning gelungen ist, meine Zuhörer für die Notwendigkeit
zu sensibilisieren, auch Patienten mit orthopädischen Diagnosen, nach Sport-
und Unfallverletzungen oder chirurgischen Eingriffen anständig zu behandeln
und diese nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen!

Das Beijing Rehabilitation Hospital ist die Schwerpunktklinik für die Behandlung
von Sportverletzungen innerhalb der Capital Medical University von Peking.
Laut meinem Dolmetscher werden hier auch verletzte Hochleistungs- und
Profisportler behandelt. Umso erstaunter war ich, dass man hier in der Abteilung
für physikalische und rehabilitative Medizin kaum über sinnvolle Trainingsgeräte,
dafür aber über zahllose Elektrotherapiegeräte verfügte.

Die Kolleginnen und Kollegen des Beijing Rehabilitation Hospital waren sehr an den
Möglichkeiten einer aktiven Therapie ihrer Patienten interessiert, beklagten aber,
dass diese regelmäßig an der Einsicht der zuweisenden Ärzte scheitern würde,
die ausschließlich auf Medikamente und passive Behandlungsmaßnahmen setzen.
Ich kenne da einige deutsche Ärzte, die hierin den Chinesen sehr ähneln!

Das Beijing Air Force General Hospital ist den Angehörigen der chinesischen
Luftwaffe vorbehalten und daher nicht für jedermann zugänglich!

Hinter dieser Tür war das Fotografieren absolut verboten!

Letzte Station meiner Vortragsreise war das Beijing Center of Rehabilitation,
eine der wenigen Kliniken mit orthopädischem Schwerpunkt. Anders als bei
meinen vorherigen Vorträgen hatten die Physios hier durchaus Erfahrung
in aktiver Therapie und waren daher besonders aufgeschlossen für Neues.

Der Herausforderung, auf dem Torsiomed im Einbeinstand zu bestehen, haben
sich alle gestellt. Geschafft hat es allerdings kaum einer von ihnen, womit sie sich
von ihren Kolleginnen und Kollegen in Deutschland in nichts unterschieden!

Abschiedsfoto mit der tollen Physio-Truppe des Beijing Center of Rehabilitation.

Es war sehr anstrengend, hat aber viel Spass gemacht
und ich komme bestimmt bald wieder nach China!

Genauere Eindrücke meiner beiden Reisen
sind auf physio.de nachzulesen:

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