Bringen Sie Ihren Marantz wieder zum Leuchten!

Mit den Jahren verliert die wundervolle blaue Beleuchtung bei jedem Marantz-Klassiker an Intensität. Dies liegt vor allem daran, dass sowohl das hinter der Blende der Frequenzskala angebrachte Diffusionspapier, als auch der weisse Lampenkasten durch den Einfluss des UV-Anteils in den einzelnen Lampen vergilben. Bei unsachgemäß ausgeführten Renovierungsversuchen hat schon so mancher Marantz-Klassiker in den Händen von Hobbybastlern Federn lassen müssen. Auch die in jüngster Zeit häufig propagierte Verfahrensweise, die Originallampen durch Leuchtdioden (LED) zu ersetzen, schafft keine wirkliche Abhilfe, da deren Lichtwirkung unnatürlich wirkt und den unbeschreiblichen Charme der Receiver und Tuner von Marantz zerstört. Mit dieser kleinen Anleitung möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie Ihrem Marantz mit wenigen Handgriffen und viel Spass ein derart unwürdiges Schicksal ersparen können.

Und so wird’s gemacht:

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Folgendes Material wird benötigt:

- Ein Kreutzschlitz-Schraubendreher PH2
- Ein Kreutzschlitz-Schraubendreher PH1
- Bei neueren Geräten einen Innensechskant, 8mm
  und eine Tesafilm-Schablone (siehe Text weiter unten)
- Einen Mini-Schraubenzieher, Spezifikation egal
- Je eine große und eine kleine Schneidemesserklinge
- Eine handelsübliche Heissklebepistole
- Eine Papierschere
- Einen kleinen Inbusdreher (siehe Text weiter unten)
- Einen Pinsel zum Entstauben des Lampenkastens, ggf. einige Q-Tips
- Ein ausreichend großes Stück hitzebeständiges Diffusionspapier
- Eine entsprechende Anzahl Pilot-Lampen mit der richtigen Spezifikation

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Setzen Sie sich als allererstes über die Warnung des Herstellers hinweg und entfernen den Gehäusedeckel Ihres Klassikers. Zur Sicherheit: Netzstecker vorher ziehen!

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Als nächstes kommt die Frontblende dran. Hierzu werden die Abdeckkappen der Potis vorsichtig abgezogen. Bitte hierzu kein Werkzeug benutzen, denn es wurden bereits genügend Marantz-Klassiker durch Hobbybastler zerkratzt! Wenn es auf Anhieb nicht mit der Hand klappen will, nehmen Sie am besten einen Ledergürtel oder -riemen (am besten aus leicht angefeuchtetem Wildleder), legen ihn um die Abdeckkappe herum und ziehen sie mit sanfter Gewalt herunter. Die Kappen der eventuell vorhandenen Schieberegler lassen sich sehr leicht abziehen. Trotzdem sollten Sie hier vorsichtig sein, um nicht den Metallarm unter der Kappe abzubrechen!.

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Anschließend drehen Sie die Schrauben an den Ecken vorsichtig mit einem geeigneten Schraubendreher heraus, ziehen die Frondblende ab und legen sie beiseite. Bei einigen Geräten befindet sich noch eine zusätzliche Schraube mit Innengewinde um eine der Poti-Achsen. Auch diese sollte nicht mit scharfkantigem Werkzeug herausgedreht werden, da man hier schnell abrutscht und die Frontblende unnötig verunstaltet. In der Regel läßt sich diese Schraube mit der Hand herausdrehen.

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Bei den Receivern neueren Datums sind die Fronten mit den für Marantz charakteristischen Sechskantschrauben befestigt. Bevor diese mit Hilfe eines entsprechenden Innensechskant herausgedreht werden, sollten die Flächen direkt neben den Schrauben sicherheitshalber mit Tesafilm abgeklebt werden, damit es hier keine unnötigen Kratzer gibt. Auf keinen Fall Maul- oder Ringschlüssel verwenden, weil man hiermit im ungünstigsten Fall die Schraubenköpfe rund dreht und die Gerätefront zerkratzt!

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Mit sehr wenig Aufwand können Sie sich aus Tesafilm eine Schutzschablone herstellen, die Sie zum Schutz vor versehentlichen Kratzern um die Sechskantschraube legen können.

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Es gibt leider nur noch sehr wenige Marantz-Klassiker, die nicht an den Schrauben durch unvorsichtigen Werkzeugeinsatz ihrer Vorbesitzer beschädigt wurden!

AB HIER ERFOLGEN ALLE ARBEITEN MIT GEZOGENEM NETZSTECKER!
(Sie sehen die Geräte nur wegen der Ästhetik der Darstellung in eingeschaltetem Zustand)

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Jetzt wird der Reiter des Dial-Pointers auf die Mitte der Frequenzskala eingestellt. Hier läßt er sich am einfachsten von seiner Führungsschiene abheben, ohne die Seilführung über Gebühr dehnen zu müssen. Vorsicht, dass die Acrylnadel nicht am Gehäuse hängen bleibt und abbricht!

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Setzen Sie die Nadel des Dial-Pointers vorsichtig auf dem Steg vor der Führungsschiene ab.

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Bei vielen Marantz-Receivern und Tunern befindet sich ein Befestigungsblech vor der Frequenzskala. Drehen Sie die zwei bis drei Befestigungsschrauben heraus und entfernen diese Schiene.

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Vorsicht: Bei den älteren Modellen (2215, 2220, 2230, 2245 und 2270) ist die Frequenzskala unter dem Feldstärkeinstrument mit einer Schraube gesichert. Diese Schraube kann sehr leicht übersehen werden. Drehen Sie dieses Schraube - sofern vorhanden - heraus.

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Um die Frequenzskala leichter demontieren zu können, sollten auch die ein bis drei Schrauben links neben der Blende herausgedreht werden.

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Nun trennen Sie sehr vorsichtig mit der breiten Schneidemesserklinge von rechts beginnend die Skalenblende vom Gehäuse. Die Blende ist mit einem sehr leicht löslichen Klebstoff auf dem Metallchassis fixiert. Dennoch sollte hier sehr vorsichtig gearbeitet und die Klinge auf keinen Fall mit der Schneidefläche zur Blende gerichtet werden. Schneidet man versehentlich Kratzer in die Skalenblende, hätte dies eine Beschädigung der schwarzen Einfärbung und einen anschließenden Lichtdurchtritt durch die Kratzer zur Folge.

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Als nächstes wird die Messerklinge vorsichtig nach links durch die Klebeschicht vorangetrieben, soweit es die Metallabdeckung oberhalb der Signalstärkeanzeige zuläßt. Damit die Klinge nicht versehentlich hinter das Display runscht, sichern Sie sie mit dem kleinen Mini-Schraubenzieher, den Sie durch das Loch in der Klinge führen.

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Nun durchtrennen Sie den Klebstoff an der Unterkante der Blende, indem Sie die Messerklinge senkrecht nach unten führen und vorsichtig vorantreiben. Achten Sie hierbei vor allem darauf, nicht die empfindliche Nadel des Dial-Pointers versehentlich zu beschädigen.

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Mit allergrößter Vorsicht muss nun der Klebstoff hinter der Blende im Bereich der Signalstärkeanzeige gelöst werden. Hier ist die Bruchgefahr besonders hoch, da die fragile  Plexiglasblende an dieser Stelle nicht durchgehend ist. Auf keinen Fall sollten Sie die Messerklinge in diesem Bereich verkanten!

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Die Blende lässt sich jetzt ohne Gewalt nach vorn herunterklappen. Letzte Klebstoffreste kann man nun entweder noch mit der Klinge durchschneiden oder die Blende einfach so vorsichtig nach vorn abziehen. Entfernen Sie nun alle Klebstoffreste von der Blende, damit hier später das neue Diffusionspapier aufgeklebt werden kann.

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Bei einigen Modellen ist das Diffusionspapier hartnäckig mit der Metallblende vor dem Lampenkasten verklebt. Anstatt das Papier vollständig zu entfernen, kann man auch einen schmalen Randstreifen stehen lassen und nur das Papier unterhalb der verklebten Fläche herausschneiden. Dieser Randstreifen bietet dem doppelseitigen Klebeband, mit dem später das neue Diffusionspapier hier wieder befestigt wird, einen guten Haftgrund.

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Bei den älteren und deutlich hochwertiger verarbeiteten Modellen (2215, 2220, 2230, 2245 und 2270) ist das Diffusionspapier zwischen zwei Lagen Metall fixiert. Eine vollständige Entfernung des alten Papiers wäre sehr aufwändig. Diese Arbeit ist jedoch nicht nötig, denn man kann genausogut das Papier mit einer Messerklinge aus dem Lampenkasten heraustrennen. Die übrigbleibenden Papierreste können hinter dem Rahmen verbleiben, was keinerlei negative Konsequenz für das Endergebnis hat. Sofern der Receiver auch über Bi-Pin Lampen für die Anzeige des gewählten Einganges verfügt, muss auch an der entsprechenden Stelle das alte Papier aus dem Rahmen geschnitten werden.

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Nun ist der Lampenkasten endlich freigelegt. Wechseln Sie unbedingt alle Lampen aus. Bei Kombination unterschiedlicher Lampen können Leuchtwirkung und Lebensdauer leiden. Auf der Link-Seite finden Sie eine Bezugsquelle für besonders gute Lampen mit größtmöglicher Leuchtkraft. Zur Entfernung der alten Lampen können Sie einen kleinen Inbusschlüssel verwenden. Mit dem kurzen Ende dieses Werkzeugs können Sie die Lampen leicht von hinten aus ihrer Fassung heraushebeln. Bevor Sie die neuen Lampen einsetzen, sollten Sie den Lampenkasten mit einem Pinsel gründlich entstauben, evtl. auch mit einem angefeuchteten Lappen reinigen. Unter den Lampenkontakten verwenden Sie zum Reinigen am besten ein angefeuchtetes Wattestäbchen. Erst nachdem alle Lampen ausgetauscht wurden, sollten Sie den Stecker wieder reinstecken und das Gerät probeweise einschalten.

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Bei den mit größerem Materialaufwand produzierten Geräten der Modellreihe 2215 bis 2270 bestand der Lampenkasten noch aus besonders robustem und pflegeleichten Metall, welches zur besseren Lichtausbeute in weiss lackiert war. Spätere Modellreihen hatten nur noch einen Lampenkasten aus Plastik, der vor allem bei Verwendung falscher Lampen durch zu große Hitzewirkung oftmals Einschmelzungen aufweist und selten noch so gut aussieht, wie der auf diesem Bild abgebildete Tuner Model 150.

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So kann es schlimmstenfalls aussehen, wenn ungeeignete Lampen verwendet werden, deren Hitzewirkung den Lampenkasten zerstören kann.

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Selbst bei gründlichster Reinigung lassen sich die Plastik-Lampenkästen späterer Baureihen nicht mehr in ihren originalen, schneeweissen Zustand versetzen, so dass die Beleuchtung niemals mehr ihren ursprünglichen Originalcharakter erreichen kann. Die bräunliche Verfärbung ist dem UV-Anteil im Licht der Pilotlampen geschuldet. Sie bewirkt, dass nicht mehr das für die volle Leuchtkraft erforderliche Streulicht durch die Frequenzskala nach vorn reflektieren wird. Unter dem gleichen Einfluss altert auch das Diffusionspapier, nur lässt sich leider der Lampenkasten nicht so einfach oder nur mit hohem Kostenaufwand austauschen. Hier läßt sich allerdings mit verhältnismäßig geringem Aufwand Abhilfe schaffen:

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Hochglänzender, weisser Heizkörperlack erscheint mir, nachdem ich diesen nun bereits bei ca. zwanzig Receivern und Tunern verwendet habe, die denkbar beste Lösung, den Lampenkasten wieder in einen weitgehenden Originalzustand hinsichtlich der Beleuchtungsintensität der Frequenzskala zu bringen. Wahrscheinlich ist das Leuchtergebnis bei sorgfältiger Restaurierung aller Beleuchtungskomponenten sogar noch besser, als das Original. Hinsichtlich der notwendigen Hitzebeständigkeit gibt es hier keinerlei Bedenken.

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Im direkten Vergleich zwischen dem vergilbten Lampenkasten mit dem hier bereits lackierten Teilbereich können Sie ungefähr ahnen, welcher erhebliche Mehreffekt durch zusätzliche Steulichtwirkung hinsichtlich der späteren Lichtausbeute zu erwarten ist.

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Um den Lampenkasten - so wie hier abgebildet - in einen hochglänzenden Neuzustand zu bekommen, sollten Sie vor Beginn der Lackierarbeiten den Lampenträger nach hinten abziehen. Ansonsten bestünde Gefahr, die Lampenkontakte versehentlich mit zu lackieren. Auch die um den Lampenkasten liegenden Chassisteile sollten vorher sorgfältig mit Klebeband abgeklebt werden.

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Besonders stark sind fast immer die kleinen Gehäusekammern der Bi-Pin Lampen vergilbt. Hier lässt sich mit der Lackierung ebenfalls leicht ein neuwertiger Zustand erreichen. Vor der Lackierung überkleben Sie einfach den Metallrahmen vor den einzelnen Kammern mit einem Tesastreifen.

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Bei allen mit Pi-Pins belegten Kammern schneiden Sie ein ausreichend großes Loch in den Tesastreifen, um hier mit einem kleinen Pinsel den Lack auftragen zu können.

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Das Ergebnis überzeugt auf der ganzen Linie, wie Sie hier an der Lampenkammer der Quadrophonie-Anzeige des Model 4230 erkennen können.

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Wie stark gerade der UV-bedingte Vergilbungseffekt der Pi-Pin Lampen ist, sehen Sie hier eindrucksvoll an dem aus dem 4230 entfernten Diffusionspapier. Unten sehen Sie bereits das nach Originalvorlage zugeschnittene Austausch-Diffusionspapier. Hierbei handelt es sich um ein hochfestes und absolut hitzbeständiges Spezialpapier aus den USA, welches nach Herstellerangaben gegen ein erneutes Vergilben vorbehandelt ist.

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Achten Sie darauf, dass das neue Diffusionspapier alle Stellen der Skalenblende abdeckt, durch die ein Lichtdurchtritt möglich ist. Bevor Sie das Diffusionspapier mit doppelseitigem Klebeband fixieren (Achtung: Nicht über die Lichtdurchtrittsstellen kleben!), sollten Sie die Blende auf mögliche Kratzer überprüfen und diese mit schwarzer Farbe oder ggf. einem gut deckenden, wasserunlöslichen Folienschreiber ausbessern. Selbst kleinste Kratzer in der Blende fallen später deutlich ins Auge, da hier das Licht ungehindert durchscheinen kann! 

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Wenn sich kein Diffusionspapier hinter der Skalenblende befindet, kann man durch die Blende hindurch die einzelnen Lampen erkennen, wie bei diesem Model 150. Das Diffusionspapier verteilt das Licht diffus und gleichmäßig über die ganze Skalenblende.

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So sollte es aussehen, wenn das Diffusionspapier hinter der Skalenscheibe angebracht ist.

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Noch ein abschließender Tipp: Fixieren Sie die Skalenblende nach Abschluss aller Arbeiten rechts außen mit einem kleinen Tropfen Heißkleber und nur an der Unterkante mit doppelseitigem Klebeband, sofern sich bei Ihrem Gerät hier kein Befestigungsblech befinden sollte. Im Falle eines erneuten Lampenwechsels können Sie die Blende nun mit sehr viel weniger Aufwand wieder entfernen und sich viele der hier beschriebenen Arbeitsschritte ersparen.

Und hier sehen Sie im Vorher-Nachher-Vergleich
den eindrucksvollen Lohn der Mühe am Beispiel eines 4230:

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Hier sehen Sie den direkten Vergleich zwischen vorher...

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...und nachher!

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Wenn dann am Ende alles so leuchtet wie hier,
haben Sie alles richtig gemacht!

Viel Spass und Erfolg beim Nachmachen!

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